Templaterie und Silkester (Silke Schümann)

Posted on September 26, 2005
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Silke Schümann Silke Schümann (Templaterie.de, Silkester.de) gehört zu den Urgesteinen der deutschen Blogszene und war eine der Ersten, die ein Corporate Blog gestartet hatte, womit Sie ein gutes Näschen für neue Medien bewies. Heute betreibt Sie zwei Corporate Blogs parallel: Das A2O- und das Templaterie-Blog.


1. Können Sie unseren Lesern etwas zu Ihrem unternehmerischen Tätigkeitsfeld sagen?

Ich bin Kommunikationsdesignerin. Das heißt, ich berate Unternehmen, bei der Gestaltung Ihrer Innen- wie Außenkommunikation in Form und Inhalt. Das Hauptprojekt, das einen Großteil meiner Zeit frißt, ist aktuell die Templaterie. In der Templaterie pflegen wir einen sehr hohen Webstandard.

Kunden wollen heute das Beste bei sehr engen Budgets. Statt von unseren Werten abzurücken, hat das Team um die Templaterie einen anderen Weg gewählt. Wir haben uns viel einfallen lassen, um die zeitintensiven Arbeiten durch eine ausgeklügelte Mischung aus solider Konfektion und individueller Création de Luxe zu einem professionellen Paket der Sonderklasse zu schnüren. Aus der idealen Mischung aus unserer Expertenleistung durch erfahrene Webdesigner und Eigenleistung durch den Kunden, wo der Kunde und Unternehmer ohnehin am stärksten ist, nämlich im Kundendialog.

Und wo ich nun schon bei Kundendialog angelangt bin. Die Templaterie bietet aktuell keine Blogtools an, denn da fremdeln die Unternehmer noch zu sehr. Es geht um die Möglichkeit, bequem und schnell den Online-Dialog zu pflegen. Auch wenn es für viele heute noch “Webseite & E-Mail” heißt, so wurde darauf geachtet, dass erste Dialog-Module Webseite&Kommentar zur Verfügung stehen. Die nächste Stufe ist bereits in Arbeit. Neugierige sollten sich bei mir per Mail melden, oder auf mein Templaterie-Blog achten.

2. Hat Ihnen das Blog geschäftlich weiter geholfen? Wie ist das Feedback seitens Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern und Freunden bisher? Oder gab es auch kritische Stimmen bzw. Effekte, die zu beobachten waren? Würden Sie sagen, daß sie eher sehr persönlich bloggen oder mehr neutral-geschäftlich, bzw. worauf achten Sie prinzipiell beim Bloggen?

Ich bewege mit meinem Blog Gemüter. Wobei ich eine relative enge Nische bediene. Ich habe mir ein öffentliches Renomee erarbeitet, das auf anderem Wege mehr Zeit, mehr Geld und mehr Außentermine erfordert hätte. (siehe u.a. http://bestof.blogg.de/eintrag.php?id=10)

Ich habe einiges ausprobiert, wofür die Zeit noch nicht reif ist und weiß, dass, sollte diese Online-Konversion sich in der Breite unter Unternehmern durchsetzen und nicht gnadenlos missbraucht werden, mehr drinsteckt als nur PR, aus der sich, wenn man es richtig macht, immer auch Aufträge ergeben. Erfolg und Misserfolg liegen auch hier im unternehmerischen Geschick des Einzelnen.

Weblogs sind Gespräche. Wer nur einen Gesprächsfetzen belauscht, wird nicht selten trügerische Schlußfolgerungen ziehen. Auf Weblogs übertagen, ist das die Fivepost-Lektüre. Nicht wenige nehmen den aktuellen Ausschnitt gleichbedeutend für das gesamte Weblog. Dies führt sowohl zu übersteigerten Erwartungen wie auch zu einer Vorverurteilung zum Negativen. Wer das nicht (v)erträgt, sollte nicht bloggen.

Ich schätze eine ungeschliffene Sprache mehr als das von jeder persönlichen Regung befreite, klinisch tote Salbadern. Sicherlich kann man nicht kompromisslos ganz nach Gusto vom Leder ziehen. Ich achte darauf, den feinen Grat zu erwischen. Es gelingt mal und mal auch nicht.

3. Können Sie etwas zum Zeitaufwand sagen? Lesen Sie auch andere Blogs und nehmen über Kommentare und Ideenaustausch an der Blogosphäre teil? Wenn nein, warum interessiert Sie die Blogosphäre nicht?

Mein erster Blogeintrag reicht zurück zum 10. August 2001. Damals noch als einfaches HTML. Das erste Blogtool setzte ich mit Antville.org am 21. Juni 2002 ein (ca. 1000 Einträge leider heute hinterm Passwort). Die heute bekanntere Adresse unter http://a2o.blogg.de geht zurück auf den 3. Oktober 2003. Zum Zweijährigen werden es exakt 1000 Beiträge. Das sind im Schnitt 1,3 Beiträge pro Tag. Ich schreibe an einem Beitrag zwischen 3 und 120 Minuten Es sind meist 5-10 Minuten sehr selten mehr, selten weniger. Als Bloggerin lese und Kommentiere ich auch in anderen Blogs. Die Zeiten schwanken stark. Ich habe keine genaue Analyse von meinem Blogverhalten gemacht. Aber es belief sich mit wenigen Ausnahmen nie mehr als 1-2 Stunden, heute sogar meist nur 10-20 Minuten. Zum Bloggerdasein gehört gelegentliches exzessives Bloggen. Ich bin da keine Ausnahme und dann werden es 10, 20, 30 Stunden am Stück, manchmal mehrere Tage hintereinander jeweils mehrere Stunden. So wie man in einen guten Krimi versinken kann, kann man auch in guten Blogs sich verlieren.

4. Wenn Sie Ihr Blog rückblickend betrachten, würden Sie bestimmte Dinge anders machen, wenn Sie nochmals von vorne starten müßten? Gibt es etwas, daß sie anderen Corporate Bloggern mit auf den Weg geben möchten (Tipps, Art zu Schreiben, etc…)?

Wie man bloggt, muss jeder für sich entscheiden. Ich habe mit dem Hang zur Umgangssprache, mit rohen Grobkonzepten und gelegentlichen Freischreiben von Ärgernissen einen sehr schwierigen Weg gewählt. Ich habe in den vier Jahren Bloggen so manches erlebt. Stalker, wütende “Blogthemen” an der Türschwelle und Blogfans, die ihre Bewunderung dem lebenden Objekt bekunden. Ich weiß, dass der eine oder andere Blogger bewußt zu einem eher journalistischen Schreibtstil hingewendet hat und Kontroversen um einen hohen Preis (Authentizität // Lebendigkeit) vermeidet.

Einen Tipp gibt es vielleicht doch, den ich geben kann. Man sollte mit dem privaten Bloggen anfangen, um seinen persönlichen Stil zu finden und zu wissen, wie man mit dieser Öffentlichkeit umgehen will. Nicht jeder kann oder will das und ein privates Blog kann man mit deutlich geringeren wirtschaftlichen Schaden betreiben und wieder bedenkenlos einstampfen.

Auch einen kleinen Kurs in Publikationsrechte und -pflichten sowie Urheberrechte kann nicht schaden. Man sollte wissen, welche Risiken man eingeht. Wobei die Rechtsübertretung fast zwangsläufig ist. Wer erinnert sich schon, dass er einmal über eine Software schrieb, die dann von der Musikindustrie illegalisiert wird. Auch der Griff nach der Satire und freien Kunst gelingt nicht immer und am Ende zahlt man die Zeche, zumal Bloggern einige Presserechte und Verlagsrechte nicht zugestanden werden und sie damit ohnehin weniger geschützt sind.

5. Was würden Sie sich selbst fragen, wenn es um Ihr Blog geht und was wäre Ihre Antwort?

Ist die Permanenz der vielen Archive, die Abrufbarkeit jedes flüchtig niedergeschrieben Wortes den Spass oder Ärger wirklich wert? “Let me propose a radical notion: The weblog’s greatest strength–its uncensored, unmediated, uncontrolled voice–is also its greatest weakness.” schreibt Rebecca Blood in ihren Weblog-Ethics. Ich sehe die Schwäche und ich liebe die Stärke darin. Ich will es nicht mehr missen und nehme deren Nachteile in Kauf. Ja, es ist es mir wert.

Dankeschön für das Interview, Frau Schümann :)


Statistik zum A2O-Blog:
Technorati Linking Blogsites: 36
Erster Eintrag: 03.10.2003

Statistik zum Templaterie-Blog:

Technorati, Linking Blogsites: 2
Erster Eintrag: 25.05.2005

Templaterie DailiesA2O Dailies

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