Don Alphonso

Posted on September 27, 2005
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Don AlphonsoDon Alphonso ist bekannt als Mitbetreiber der mittlerweile geschlossenen Webseite Dotcomtod.com, Autor von »Liquide«, einem Bestseller über die New Economy.

Die Amazon Redaktion schreibt über Don Alphonso: Don Alphonso nennt sich der Wirtschaftsjournalist, der für die Website Dotcomtod.de “aus der Häppchenperspektive” berichtet. Auf dem Höhepunkt der New Economy hat der Informant mit seinen Insidermeldungen über Pleiten, Pech und Pannen in der Szene den Chief Executive Officers den kalten Schweiß in den Nacken geschrieben. Don ist im wahren Leben Journalist und Verfechter des Qualitätsjournalismus, dessen Niedergang er vehement an den Pranger stellt.

Und was hat er mit Blogs zu tun? Eine ganze Menge: Neben seinem jüngsten Buch über Blogs, treffenderweise “Blogs!” genannt, ist er zusammen mit Kai Pahl Herausgeber des Multi-Autoren-Blogs Blogbar.de, das im Mai 2004 an den Start ging. Don betreibt auch ein eigenes Blog namens Rebellen ohne Markt. Auf beiden Blogs nimmt er gerne mit spitzer Feder alles rund um das Thema Corporate Blogging aufs Korn und versteht es, die Blogosphäre immer wieder aufs Neue zu polarisieren.


1. Können Sie unseren Lesern etwas zu Ihrem beruflichen Tätigkeitsfeld sagen?
Momentan bin ich Journalist quasi im Sabbatical und kümmere mich um Familienangelegenheiten, einen Stadtpalast aus der Zeit um 1600 und Nebengebäude.

2. Als Herausgeber – zusammen mit Kai Pahl – von Blogbar.de betreiben Sie neben Ihrem Weblog (rebellmarkt.blogger.de) ein Blog, das sich oftmals mit dem Thema … richtig… Blogging auseinandersetzt. Was stellt BlogBar.de für Sie persönlich dar? Einfach nur ein Blog, um sich mit anderen über Blogging auszutauschen, nebenbei Ihr Buch Blogs! besser zu vermarkten oder anders gefragt: Was fasziniert Sie so sehr an diesem Thema?

Bei der Konzeption des Buches war schnell klar, dass es bald inhaltlich erweitert werden muss. Schliesslich ist Bloggen im Sommer 05 etwas anderes als im Sommer 04, die Debatten haben sich verändert, es gibt neue Erscheinungen, Ideen, Fortschritte. Insofern liefert das Blog die “Patches” zum Buch, es ist vielleicht so eine Art Blogbuch 1.5beta in der public version. Zum anderen stecken die anderen Metablogs mehr oder weniger in der Krise, wogegen die Blogbar weiterhin ein Anlaufpunkt für viele Interessierte ist. Dadurch wurde es natürlich zu einer Marketingplattform, aber das ist sekundär – die Arbeit beim Schreiben wäre durch die Buchverkäufe nicht zu finanzieren.

Und was mich fasziniert… ich halte die Medien in ihrer jetzigen Form für tot, ausgereizt, am Konsens verreckt. Ich hasse, vielleicht weil ich als Journalist Autodidakt bin, dieses idiotische System des Gatekeepers oben und den Lesern unten. Das hatte seine Berechtigung in einer Zeit, als die Produktion von Medien teuer war, aber heute ist es nur noch geselschaftspolitischer Machterhalt der Medienkonglomerate mit all ihrem Crossmarketing und Agendasetting. Die ganze Kaste hat nichts mehr mit der Realität am Hut, ganze Realitätsfragmente werden unterdrückt oder marktgängig zurechtgeprügelt. Das hat mit Freiheit des Wortes herzlich wenig zu tun. Blogs schaffen da einen Gegenentwurf, und obwohl ich mir sicher bin, dass sie die Medien nicht abschaffen werden, werden sie doch einen starken Einfluss auf die Medien haben. Das geht nicht von heute auf morgen, aber es kommt. Und das zu begleiten, ist spannend und gut.

3. DotComTod war Ihr Markenzeichen. Dort haben Sie die Geschäftsmodelle und -praktiken der New Economy Firmen an den Pranger gestellt. Auf BlogBar.de wie auch auf RebellMarkt schwingen sie gerne die spitze Feder gegen Bloganbieter, Corporate Blogs (zB die ersten Bloggehversuche von Zeitungsverlagen) und Corporate Blogdienstleister. Sie betonen häufig, daß es keinen “Blogmarkt” gibt. Wie ist das zu verstehen? Finden Sie Corporate Blogs per se sinnlos – zumal Sie meines Erachtens nach selbst eines betreiben – oder wie stehen Sie kommerziellen Blogs und Bloganbietern gegenüber?

Man muss differenzieren. Bloghoster: Prima. Dass die leben müssen: Klar. Dass sie Gewinn machen sollen: Logisch. Dass das Thema gehyped wird, um auf dem kleinen Markt nochmal eine New economy mit IPOs und Crashs aufzuziehen: No way. Das Problem ist in meinen Augen zumindest in Deutschland, dass es für diese Form von Bloggeschäft zu wenige Nutzer gibt, und der Anstieg viel zu langsam ist, als dass es alle Hoster tragen könnte. Und das ist nicht gut.

Ich habe eine Bekannte, die eine überaus erfolgreiche Agentur hat, im Bereich Micromarketing für grauenvoll langweilige, aber sehr lukrative Industrieprodukte. Die Firma kennen nur die wenigsten, und die sind richtig gut, Gewinnwachstum seit 5 Jahren 30% oder mehr, die müssen Neukunden abweisen. Die haben sich lange Gedanken über das Thema gemacht, auch all die dirty Tricks zu Papier gebracht, die man mit Blogs machen könnte, aber am Ende stand die Erkenntnis, dass sie nichts davon ihren Kunden empfehlen könnten. Das fand ich sehr fair, und sehr klug. Das Kernproblem ist die Schnittstelle zum Rezipienten, und das kennt jeder, der sich mal anschaut, was für komische Leute sich auf dem eigenen Blog rumtreiben – ganz sicher nicht nur die, auf die man es abzielt. Das heisst, dass die simple Vorstellung des Narrowcastings für kleine, kaufbereite Zielgruppen in der Theorie gut, aber in der Realität eher schlecht.

Was PR-Blogs angeht: dafür muss man Interesse am Dialog mit dem Kunden haben und bereit sein, die Kosten zu tragen. Und selbst dann garantiert nichts, dass das Blog überhaupt wahrgenommen wird. Eine Marke, die ihre Zielgruppe heute schon nicht erreicht, wird sie auch nicht erreichen, wenn sie ein runtergekürztes CMS aufsetzt und die gleichen inkompetenten Marketinghansel was offen schreiben lässt. Eine ganz andere Sache ist das Knowledgemanagement in einer Firma. da kann es bei gekonntem Einsatz (!) durchaus helfen, überflüssige Meetings einzusparen, eine innere Führung aufzubauen, und das Betriebklima zu verbessern. Jetzt mal theoretisch gedacht, ob es praktisch geht, weiss ich auch nicht. Aber diejenigen, die den Erfolg quasi garantieren und es als Allheilmittel verkaufen, halte ich durch die Bank für Scharlatane.

Und Zeitungsblogs – liest das jemand, ausser den wirklich brillianten Thomas Knüwer vom Handelsblatt? Bloggen muss man können, einfach eine Bleiwüste mit anderen Mitteln produzieren braucht kein Mensch.

4. Man liest immer wieder vom Kampf der MSM (Mainstream Media) vs. Blogs. Ist das in Ihren Augen an der allgemeinen Blogosphere völlig vorbei gedacht und lediglich eine Sache zwischen journalistisch veranlagten Bloggern und Journalisten, die letztlich nur eine Randgruppe der Blogger/Blogleser interessiert?

Bloggen ruht nach meiner Meinung in sich selbst. Es ist egal, was die Medien schreiben, Bloggen ist keine Fortsetzung des Journalismus, sondern ein Paralleluniversum mit eigenen Naturgesetzen. Insofern spielen die Hackeleien keine Rolle. Eine Fingerübung. Mehr nicht.

5. Worauf kommt es Ihnen beim Bloggen an?

Spass. Spass. Spass. Und auf gute Geschichten von Leuten, die ich mag.

6. Und bei Corporate Blogs? Gibt es etwas, daß sie Corporate Bloggern mit auf den Weg geben möchten (Tipps, Art zu Schreiben, etc…)?

Es gibt schon viele gute “Corporate Blogs”, wenn man es so nennen wollte, von Freiberuflern, Kai Pahl ist ein gutes Beispiel dafür, IT&W und die Mac Essentials. Ich würde raten, es erst mal privat auszuprobieren und zu schauen, wie man damit zurecht kommt. Beim leisesten Zweifel würde ich die Finger davon lassen. Aber auf mich hört sowieso keiner.

7. Was würden Sie sich selbst fragen, wenn es um Ihr Blog und Blogs i.A. geht und was wäre Ihre Antwort?

Du hast mal einen Artikel geschrieben mit dem Titel “Don´t fuck in the Blogosphere“. Was hältst Du seit letzter Woche davon?

Ich war ein Vollidiot. Und wenn aus Bloggen irgendwann ein Geschäft wird, dann im Bereich Sexanbahnung.

Dankeschön für das Interview, Don :)


Statistik zum Blogbar.de:
Technorati Linking Blogsites: 267
Erster Eintrag: 20.05.2004

Statistik zum Rebellen ohne Markt:
Technorati, Linking Blogsites: 250
Erster Eintrag: 06.12.2003

Blogbar.de DailiesBlogbar.de Inlinks

Rebellmarkt DailiesRebelmarkt Inlinks


Ergänzend dazu, ein Artikel auf Blogbar von Don zum Thema, was Blogs sind, was sie bedeuten und was sie nicht sind möglicherweise.

Comments

One Response to “Don Alphonso”

  1. JakBlog » Blog Archive » gegenentw?rfe zum konglomerat on September 28th, 2005 00:24

    [...] (…)Ich halte die Medien in ihrer jetzigen Form f?r tot, ausgereizt, am Konsens verreckt. Ich hasse, vielleicht weil ich als Journalist Autodidakt bin, dieses idiotische System des Gatekeepers oben und den Lesern unten. Das hatte seine Berechtigung in einer Zeit, als die Produktion von Medien teuer war, aber heute ist es nur noch gesellschaftspolitischer Machterhalt der Medienkonglomerate mit all ihrem Crossmarketing und Agendasetting. Die ganze Kaste hat nichts mehr mit der Realit?t am Hut, ganze Realit?tsfragmente werden unterdr?ckt oder marktg?ngig zurechtgepr?gelt. Das hat mit Freiheit des Wortes herzlich wenig zu tun. Blogs schaffen da einen Gegenentwurf, und obwohl ich mir sicher bin, dass sie die Medien nicht abschaffen werden, werden sie doch einen starken Einfluss auf die Medien haben. Das geht nicht von heute auf morgen, aber es kommt. Und das zu begleiten, ist spannend und gut.” das ganze interview gibt?s hier. Abgelegt unter: Nicht kategorisiert — PDF [...]

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