Stephanie Dann, Burnout Blog
Posted on October 10, 2005
Filed Under | 3 Comments
Stephanie Dann ist Inhaberin einer interessanten Domain namens IchKannSoNichtArbeiten.net und betreibt das Burnout-Blog seit Juni 2004. Ich habe Stephanie Dann bei einer MEX Veranstaltung kennengelernt und ihr allererster Artikel im Burnout Blog macht deutlich, wie sie zum ersten Mal auf Blogs aufmerksam geworden ist und was daraus schließlich geworden ist:
Was um Himmels Willen ist ein Blog??? Als ich im März bei einer MEX-Sitzung anwesend war, muss ich bei Robert Basics Ausführungen zum Blog wohl extrem dämlich geguckt haben. Anmerken lassen habe ich mir natürlich nichts, es aber nicht versäumt, mich im Anschluss von Robert aufklären zu lassen. Interessant, dachte ich mir. Was es alles gibt… Da ich meinen Computer und das Internet zwar standardmäßig-pragmatisch nutze und in diesem Bereich auch durchaus recht fähig bin, aber gefühlsmäßig deutlich dem Lager der Technik- und Online-Spielereien-Aversen zugehöre, blieb das Thema Blog bei mir erst mal unter der Rubrik „interessant – aber für mich irrelevant“ und – vorurteilsbelastet – unter „mal wieder die ganzen Online-Schwätzer, die in der realen Welt nix zu tun haben“ hängen. Hiermit leiste ich öffentlich Abbitte für diese meine bösen Gedanken, die bisher keiner kannte.Was hat sich seitdem verändert? Testhalber habe ich ein paar Blogs gelesen und dieses Medium durch Nutzung schätzen gelernt. Ich habe mehr erfahren über Funktion, Nutzen und Sinn von Blogging, aber auch über ideelle Hintergründe. Die Lektüre des Cluetrain Manifests vor fast vier Jahren hatte mich sehr beschäftigt und da ich sowieso gern über (persönliche und gesellschaftliche) Werte und Strömungen nachdenke, konnte ich hier einen Bogen spannen, der mich zum intensiveren Nachdenken über Blogs veranlasst hat.
1. Können Sie unseren Lesern etwas zu Ihrem unternehmerischen Tätigkeitsfeld sagen?
Ich bin Beraterin und Coach mit Schwerpunkt berufliche Belastungen und Burnout-Prävention und biete Workshops, Seminare, Vorträge, Unternehmens- und Führungskräfteberatung, Coaching und Psychologische Beratung zu diesem Themenfeld an. Hierbei geht es darum, Burn-out-Prozesse im Unternehmen und für den Einzelnen frühzeitig identifizier- und verstehbar zu machen und im Sinne einer langfristigen Erhaltung der Leistungsfähigkeit Strategien für den gesunden Umgang mit beruflichen Belastungen und dem eigenen Leistungsvermögen zu entwickeln.
2. Hat Ihnen das Blog geschäftlich weiter geholfen? Wie ist das Feedback seitens Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern und Freunden bisher? Oder gab es auch kritische Stimmen bzw. Effekte, die zu beobachten waren? Angesichts des sehr sensiblen Themas – wer gibt schon zu, Burnout-Betroffener zu sein und über Kundenbeispiele kann man schließlich auch nicht offen schreiben – worauf achten Sie prinzipiell beim Bloggen?
Ja es hat, insbesondere im Hinblick auf meine Bekanntheit und als Mittel zur Vertrauensbildung für potenzielle Klienten. Sie kennen mich und meine Art zu denken, wenn sie zum Hörer greifen, durch das Blog oft schon sehr viel besser und sagen mir meist, dass meine Offenheit dort ihnen die Kontaktaufnahme erleichtert hat. Von Beginn an wurde das Burnout Blog sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld und insbesondere auch von den Medien sehr positiv aufgenommen.
Die Tatsache, dass Burnout ein bisweilen noch (Es ist schon viel besser geworden!) gesellschaftlich tabuisiertes Thema ist, ist der Grund dafür, dass auf dem Burnout Blog deutlich weniger kommentiert wird als auf anderen Blogs. Darauf habe ich mich eingestellt, zumal ich viel Feedback mündlich oder per Mail erhalte. Manchmal schaue ich dann aber doch in die Statistik, ob noch alle da sind. ;-)
Ich achte grundsätzlich darauf, keine Informationen aus vertraulichen Kundengesprächen dort zu verwenden, weil dies das Vertrauensverhältnis zu meinen Kunden untergraben würde. Das gilt auch für Unternehmenskunden, die ebenso ungern genannt werden möchten wie Privatkunden. Bisher drei Mal habe ich Dinge erwähnt, die von einem bestimmten Kunden stammten und dann aber vorher dessen ok eingeholt, auch wenn der/diejenige auf dem Blog nicht namentlich kenntlich ist. Dinge, die mir immer mal wieder in Gesprächen begegnen, stelle ich im Rahmen des Blogs in einen allgemeinen Rahmen und berichte so darüber.
Wichtig sind mir auch (zumindest partei-)politische Neutralität und Abstand zu meinem Privatleben. Was auf dem Burnout Blog zu lesen ist, ist allermeistens auf mein Themengebiet bezogen oder steht mit diesem im Zusammenhang. Ich bemühe mich im allgemeinen um Sachlichkeit in bezug aufs Thema und werte dabei auch. Das Feedback zeigt immer wieder, dass meine Leser sehr an dem interessiert sind, was ich denke, also sage ich es.
3. Ihr Blog ist in Ihren Webseitenauftritt ichkannsonichtarbeiten.net voll integriert. Die statische Webseite bietet dem Leser eine schnelle Übersicht über Ihre Dienstleistungen. Was bietet Ihrer Meinung nach das Blog ergänzend zur Webseite für den Leser?
Aktualität, viel, viel mehr Information, die Chance, mich beschnuppern zu können, Stoff zum Mit- oder Nachdenken, Unterstützung beim Umgang mit Ängsten in bezug auf das Thema, Gründe, warum man sich mit meinen Dienstleistungen überhaupt beschäftigen sollte, weiterführende Links…..
4. Können Sie etwas zum Zeitaufwand sagen? Lesen Sie auch andere Blogs und nehmen über Kommentare und Ideenaustausch an der Blogosphäre teil? Wenn nein, warum interessiert Sie die Blogosphäre nicht?
Im Moment blogge ich relativ wenig, weil ich beruflich sehr eingespannt bin. Ich würde meinen etwa eine Viertel- bis halbe Stunde an einem Werktag, an dem ich blogge. Ich tue das (fast) nie am Wochenende, um meine eigenen Erholphasen nicht mit Beruflichkeiten zu durchsetzen. Ich lese andere Blogs, vorzugsweise die meiner Kollegen aus dem Beratungs/Coachingbereich, weil wir uns naturgemäß für ähnliche Dinge interessieren, aber auch eine ganze Reihe anderer Business-Blogs aus anderen beruflichen Bereichen. Ich kommentiere eher selten in anderen Blogs.
Die Blogosphäre interessiert mich schon, aber nicht primär. Ich blogge, um der Menschheit, der Öffentlichkeit, potenziellen Kunden das Thema Burnout-Prävention näher zu bringen und diese Tabuschwelle weiter zu senken. Insofern ist meine Zielgruppen mit der Blogosphäre kaum deckungsgleich. Die meisten davon haben sich mit Blogs noch nie beschäftigt und bewegen sich auch nicht oder kaum in der Blogosphäre. Und es bewegt sie überhaupt nicht, was Blogs können oder nicht können, was ein Blog ist oder dass das Burnout Blog ein Blog ist. Ich beschäftigt mich mit dem großen Ganzen der Blogosphäre nur manchmal in meiner Freizeit, wenn ich Lust darauf habe. Dann lache/weine/freue ich mich auch über das neueste xyz-Bashing oder andere Skandale, hervorragende Hobby-Blogs und anderes Themenfremdes, aber diese Dinge finden auf dem Burnout Blog keinen Raum.
5. Wenn Sie Ihr Blog rückblickend betrachten, würden Sie bestimmte Dinge anders machen, wenn Sie nochmals von vorne starten müßten? Gibt es etwas, daß sie anderen Corporate Bloggern mit auf den Weg geben möchten (Tipps, Art zu Schreiben, etc…)?
Rückblickend: Eigentlich nicht. Ich habe angefangen und das Blog hat sich kontinuierlich positiv entwickelt. Natürlich gibt es Erfahrungseffekte und ich blogge ganz bestimmt nicht mehr genau so wie am Anfang, aber das war schon gut so. Ich würde vermutlich nichts anders machen.
Mit auf den Weg geben? Nicht versuchen, blindwütig Traffic durch im Zusammenhang mit dem Beruflichen unpassendes oder selbstschädigendes Geschreibsel auf dem eigenen Blog oder bei anderen in Kommentaren zu generieren, um um jeden Preis aufzufallen. Je nach Geschäftsmodell nicht zu viele Hoffnungen auf die Blogosphäre zu setzen. Es ist nicht unbedingt so, dass man nur von der Blogger-Family gemocht und verlinkt werden muß, um erfolgreich zu sein, sondern man sollte sich darum bemühen, Nutzen anzubieten, wie immer der aussieht. Ein Blog findet Beachtung, wenn es dort etwas gibt, das jemand anderen interessiert. Das gilt für Menschen in der Blogosphäre genauso wie für “Normalmenschen”.
Nicht gleich wie die Axt im Walde. Es gibt Konventionen und Netiquette gerade auch in der Blogosphäre, mit denen man sich vertraut machen sollte, z.B. ist Abschreiben ohne Quellenangabe ebenso unfein wie Link-Geiz oder die Kommentarfunktion anderer mit Werbebotschaften zuzumüllen. Wer immer nur auf Incoming Links schielt, wer sich schwertut, mal einen zu setzen, wenn er etwas Gutes irgendwo gelesen hat, nichts beiträgt, aber pöbelt o.Ä. wird es schwerhaben.
Zur Art zu schreiben: Ich habe von einem großartigen Fachbuchautor einen Tipp bekommen, den ich auch beim Bloggen beherzige und der glaube ich ein Guter ist: “Schreiben Sie, aber schreiben Sie für sich selbst, und nicht das was andere Ihrer Meinung nach lesen wollen.”
6. Was würden Sie sich selbst fragen, wenn es um Ihr Blog geht und was wäre Ihre Antwort?
Bis ein Weblog etabliert ist, muß man da monatelang ganz schön Arbeit reinstecken und regelmäßig posten. War Ihnen das nicht manchmal zu viel?
Regelmäßiges Posten ist schon sehr wichtig, aber: Nein, es war mich bisher nicht zu viel. Weil ich mich auf meine Interessen konzentriert habe, hatte/habe ich eigentlich immer was zu sagen. Es ist in diesem Sinne nicht “Arbeit”, ein Blog zu führen, sondern Nebeneffekt meines Tuns/Denkens. Manchmal habe ich weniger Zeit oder weniger Lust oder es gibt gerade nichts zu bloggen. Dann blogge ich ein paar Tage nicht. Davon geht die Welt nicht unter.
Wenn Sie ein Blog allerdings nur als Pflichtaufgabe à la “Ich MUSS heute noch bloggen” (damit ich reich und berühmt werde) sehen können oder sich die paar Minuten für einen Eintrag nur einmal im Monat nehmen wollen, lassen Sie es besser bleiben!
Frau Dann, danke für das Interview!
Statistik zum Burnout Blog:
Technorati Linking Blogsites: 23
Erster Eintrag: 30.06.2005

Comments
3 Responses to “Stephanie Dann, Burnout Blog”
[...] man könnte das Interview auf BlogBiz.de mit Stephanie Dann auch so betiteln: “Von Saulus zu Paulus“. Wie ich darauf komme? [...]
[...] Das Interview mit mir hat er heute veröffentlicht. Stichwortsuche: Blogging Keine Kommentare bisher Kommentieren RSS Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI Kommentieren Bitte wundern Sie sich nicht, wenn Ihr Kommentar nicht gleich erscheint. Da ich nicht immer da bin, um das Burnout Blog von Spam u.Ä. freizuhalten, gebe ich eingegangene Kommentare manuell frei. Ihre E-Mail-Adresse wird im Kommentar nicht angezeigt. HTML darf verwendet werden: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong> [...]
[...] Dieses Interview, genauso wie das mit Stephanie Dann vom Burnout Blog, ist lesenswert. Gerade f?r Menschen, die die Absicht haben, vielleicht auch mal ein Weblog auf die Beine zu stellen und mal hinter die Kulissen bei anderen schauen wollen. Im HR-Bereich gibt es keine weiteren Blogs au?er Ihrem. W?rden Sie sagen, da? es sich f?r Firmen z.B. bei der Jobsuche lohnen k?nnte, ein eigenes Blog zu starten, um die Attraktivit?t des Unternehmens zu steigern bzw. dem potenziellen Kandidaten ein besseres Bild des Unternehmens und der offenen Stellen zu vermitteln? [...]