Die Gretchenfrage: Bloggen, ja oder nein?

Posted on October 24, 2005
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Das Lager der bloggenden Unternehme(r)n ist verschwindend klein. In Deutschland gibt es vielleicht 100, vielleicht auch 500 Corporate Weblogs, angefangen vom Freiberufler bis hin zum Mittelständler mit ca. 1.100 Mitarbeitern. Sicher, die Zahlen nehmen mE immer stärker zu, gerade aus dem Bereich der Kleinunternehmen lugen Blogs schüchtern um die Ecke. Überraschenderweise (oder auch nicht) ist der Berufsstand der Anwälte am besten vertreten.

Wo liegen nebst mangelnder Bekanntheit von Weblogs und damit auch kaum praxiserprobten Nutzungsvorteilen – die sich kaum herumgesprochen haben – die grundsätzliche Krux? Warum zB erscheint ein so ein junges Thema wie Podcasting gegenüber Weblogging den Unternehmen so viel interessanter? Verdeutlichen lässt sich das an der Gesprächsbereitschaft der Unternehmen mit ihren Kunden und auch dem Verhältnis Anbieter-Kundschaft. Stephanie Dann, ihres Zeichens Burnout-Beraterin und zugleich Bloggerin hat das auf OpenBC sehr treffend bewußt überzeichnet ausgedrückt:

Variante 1: Das Unternehmen, das stets um sich selbst und seine Gewinnerzielungsabsicht kreist, klassische vertriebliche Aktivitäten als das einzige Mittel versteht und seine Kunden ausschließlich als Kulisse bzw. Erfüllungsgehilfe für den eigenen Zweck sieht, versucht seine Waren/Dienstleistungen mit viel Kraft und Vertriebskosten durch die richtige Masche/Platte/Werbemaßnahme in den Markt zu drücken. Selbst gutgemeinte Versuche, “Kundenorientierung” “professionell” zu leben, enden in unglaubwürdigen Floskeln oder der Anschaffung entsprechender Tools und müssen scheitern, weil eine wechselseitige Beziehung und echte Kommunikation zwischen Partnern niemals zustande kommt. Und es wird weder die Bedürfnisse noch den tatsächlichen Bedarf seiner Zielkunden wahrnehmen können und infolgedessen versuchen, noch lauter zu schreien, um seine Botschaft rüberzubringen. Dieses Unternehmen wird genauso einwegig kommunizieren wie es denkt, kommunikative Aspekte hinter Kosten stellen und argwöhnisch hinterfragen, wozu es denn gut sein soll, in Dialog zu treten.

Variante 2: Das Unternehmen, das verstanden hat, dass es durch vertrauensvolle Beziehung, gelebte Partnerschaft und Glaubwürdigkeit seinen Kunden gegenüber viel weniger Kraft braucht, sich am Markt zu behaupten, dauerhaft erfolgreich zu sein, sich Vertrauen zu erwerben und “gemocht” zu werden und daher ernsthaft in Erwägung zieht, seine Kunden und potenziellen Kunden über den Moment der Transaktion hinaus im Fokus zu behalten, wird eine echte Zweiwegekommunikation nicht nur mit Leichtigkeit zulassen, sondern bewußt suchen, um dabei auch möglichst viel zu lernen. Die Frage “Was bringt mir das?” ist aus dieser Haltung heraus überflüssig.

Wenn ein Thema wie z.B. “Business-Bloggen – ja oder nein?” zwischen Vertretern der 1.und der 2. Variation diskutiert wird, ist m.E. eine Verständigung schwierig bis unmöglich. Immer wird man aus der eingeengten eigenen Perspektive heraus Gründe finden, warum das Argument der Gegenseite nicht greifen kann. Mit Bloggen oder Nicht-Bloggen scheint mir das allerdings nicht viel zu tun zu haben, sondern eben mit diesen viel grundsätzlicheren Unterschieden in der Weltsicht – womit wir wieder bei Cluetrain ja oder nein wären.

Stephanie Dann bezieht sich dabei auf das Cluetrain Manifesto. Was ist das Cluetrain Manifesto? Es gehört zu einem sehr bekannten und zugleich auch viel diskutierten Papier. Der Kern:

A powerful global conversation has begun. Through the Internet, people are discovering and inventing new ways to share relevant knowledge with blinding speed. As a direct result, markets are getting smarter—and getting smarter faster than most companies.
These markets are conversations. Their members communicate in language that is natural, open, honest, direct, funny and often shocking. Whether explaining or complaining, joking or serious, the human voice is unmistakably genuine. It can’t be faked.

(Siehe auch dazu die Wikipedia)

Es ist kein Zufall, daß die geistigen Väter der Blogosphere, Dave Weinberger und Doc Searls, zugleich mit die Autoren des Cluetrain Manifestos waren.

Comments

2 Responses to “Die Gretchenfrage: Bloggen, ja oder nein?”

  1. Blogbiz » Angst vor Bloggern: Was tun dagegen? on November 7th, 2005 11:01

    [...] via Tipp von Webhosting Blog siehe auch: Die Gretchenfrage: Bloggen, ja oder nein? Technorati Tags: blogging tipps, Blogbashing November 7th, 2005 @ 10:59 AM • Filed under Corporate Blogs [...]

  2. Basic Thinking Blog » Trittsicher in der Welt der Webkommunikation? on September 21st, 2006 15:17

    [...] Vielmehr möchte ich auf einen wesentlichen Punkt eingehen, der insbesondere im Bereich Corporate Blogging (ich fokussier es bewusst nur auf das Thema Blog, auch wenn Cords seine Aussagen mehr oder minder auf das gesamte Webspektrum bezogen hatte) spannend und zentral ist: Erweitert man mit dem Firmenblog seine Kommunikationskanäle um einen weiteren Kanal und verpflanzt zugleich das bisherige Kommunikationsverhalten 1:1 in diesen neuen Kommunikationsraum? Oder denkt man darüber nach, ob die eigene Kommunikationspolitik überhaupt zu dieser Umgebung passt? Ja, gar, passt man selbst dazu? Stephanie Dann hat das mal wunderbar ausgedrückt, dem man fast nichts mehr hinzufügen kann: Variante 1: Das Unternehmen, das stets um sich selbst und seine Gewinnerzielungsabsicht kreist, klassische vertriebliche Aktivitäten als das einzige Mittel versteht und seine Kunden ausschließlich als Kulisse bzw. Erfüllungsgehilfe für den eigenen Zweck sieht, versucht seine Waren/Dienstleistungen mit viel Kraft und Vertriebskosten durch die richtige Masche/Platte/Werbemaßnahme in den Markt zu drücken. Selbst gutgemeinte Versuche, “Kundenorientierungâ€? “professionellâ€? zu leben, enden in unglaubwürdigen Floskeln oder der Anschaffung entsprechender Tools und müssen scheitern, weil eine wechselseitige Beziehung und echte Kommunikation zwischen Partnern niemals zustande kommt. Und es wird weder die Bedürfnisse noch den tatsächlichen Bedarf seiner Zielkunden wahrnehmen können und infolgedessen versuchen, noch lauter zu schreien, um seine Botschaft rüberzubringen. Dieses Unternehmen wird genauso einwegig kommunizieren wie es denkt, kommunikative Aspekte hinter Kosten stellen und argwöhnisch hinterfragen, wozu es denn gut sein soll, in Dialog zu treten. [...]

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